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Wir setzen uns zum Ziel, theatrale Bildung im Kontext Schule zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

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Aufwärmspiele für theatrales Arbeiten

zusammengestellt von Bettina Stokhammer, theatrale Vermittlerin für Wien und Niederösterreich („Theatercoach“)

TN= TeilnehmerInnen SL = Spielleiterin / Spielleiter

Ich beginne meine Workshops immer mit zwei Aufwärmspielen, die einerseits sehr gute Diagnoseinstrumente für das Zusammenspiel und die Dynamiken einer Gruppe sind und die andererseits auf die theatrale Arbeit vorbereiten und die Leute meist dazu bringen, gleich zu Beginn ein wenig aus sich herauszugehen.

Außerdem kann ich anhand der Spiele gleich zu Beginn einige grundlegende Regeln festmachen:
• Es gibt beim Spielen kein Richtig oder Falsch, es gibt nur ein Halb oder Ganz. Wir sind von Kindesbeinen an gewohnt, alles Spiele als Konkurrenzspiele zu interpretieren, bei denen das „Gefangenwerden“ als Versagen interpretiert wird. In der theatralen Arbeit ist das extrem kontraproduktiv, hier muss immer gelten: „The show must go on“ und wir sehen alles als „dramatische Chance zur Selbstinszenierung“. Wer ausscheidet, macht es mit der nachdrücklichsten Grazie und Originalität, wer die neue Sesseljägerin ist, genießt es, im Mittelpunkt des Spieles zu stehen, und alle um sich herum laufen zu sehen, während man sich selbst entspannt bewegt.
• Apropos entspannt: Alles, was wir tun, tun wir entspannt. Bloß keine Hektik, das Leben ist hart genug. Wer verkrampft, verliert die Lust am Spielen. Und niemals Ärger aufkommen lassen, schon gar nicht über sich selbst, und ein Versagen, das nur wir zu einem machen, indem wir es so interpretieren.
• Egal, was wir tun, wir sehen FANTASTISCH dabei aus! Ein gedachtes Lächeln reicht oft schon vollkommen und man wirkt gleich viel attraktiver…. ;)

SESSELSPIEL
Es sind so viele Sessel wie TeilnehmerInnen gleichmäßig im Raum verteilt. Person A steht weit von einem freien Sessel entfernt, die anderen Personen sitzen auf ihren Sesseln. Beim Einsetzen der Musik (One Way or Another by Blondie) beginnt sich Person A LANGSAM – am besten in einer dramatischen Zeitlupe - auf den freien Sessel zuzubewegen. Die anderen müssen verhindern, dass die Person sich setzt, indem sie ihren eigenen Sessel verlassen und sich auf den freien Sessel setzen. Sollte es Person A gelingen, sich zu setzen, muss die letzte Person, die aufgestanden ist, nun den freien Sessel „erschleichen“.
Regeln:
• Die Person, die den Sessel jagt, darf nicht laufen oder sich schnell bewegen, alle anderen schon.
• Wenn sich jemand einmal vom eigenen Sessel auch nur ein paar Zentimeter erhebt, darf er oder sie sich nicht wieder hinsetzen sondern muss den Sessel freigeben.
• Es dürfen sich immer nur Personen in der Nähe des freien Sessels bewegen, sonst artet das Spiel in einem Chaos aus.
• Im Idealfall wechselt immer nur eine Person den Sessel, sonst ist es schwer zu sehen, wer die letzte Person war, die aufgestanden ist.

SAMURAI
Alle TN stehen in Grundstellung in einem (schönen) Kreis. Es gibt drei Basisbewegungen + Ausrufe, die ich zuerst vormache, und die dann von der Gruppe wiederholt werden. Alle Bewegungen müssen mit Spannung ausgeführt werden, die Handflächen sind immer fest aneinander gepresst, die Bewegungen immer groß halten, und laut dazu schreien.
die Arme werden mit aneinander gepressten Handflächen von den Knien weg in einer großen Bewegung mit einem lauten „HA!“ über den Kopf gerissen.
die Arme werden mit aneinander gepressten Handflächen mit einem lauten „HE!“ vor dem Körper zur Körpermitte der Person links von einem geschleudert, als wollte man sie in der Mitte entzweischneiden. AUFPASSEN: die Hände müssen unbedingt mindestens 30 cm vor dem Körper der Person abgebremst werden, es darf keine Berührung geben. Übung nach rechts wiederholen.
Sind die Arme über dem Kopf, werden sie mit einem lauten „HI!“ wieder zu den Knien heruntergerissen. Dabei wird eine Person intensiv angeschaut, die Bewegung geht in dieselbe Richtung. Diese Person ist der neue Samurai, und beginnt wieder mit 1.
Ablauf:
Eine Person beginnt mit der Bewegung 1 (der Samurai holt zum Schlag aus) Die beiden Personen rechts und links davon führen zu der Person die Bewegung 2. aus, während die Arme der Person in der Mitte oben bleiben (der Samurai hat seine Deckung aufgegeben, und wird nun in der Mitte von rechts und links getroffen). Der Samurai führt nun Bewegung 3 durch (sein Sterbelaut) und wählt damit einen neuen Samurai aus, der sofort wieder mit Bewegung 1 beginnt.
Es soll dabei ein gleichmäßiger Dreierrhythmus entstehen Ha-He-Hi.
Wer einen Fehler macht, den Rhythmus bricht, nicht aufmerksam ist, zu langsam ist, zu schadenfreudig ist, zu zögerlich ist, zu leise ist, … scheidet aus dem Spiel aus.
Das Ausscheiden darf dabei nicht als Versagen gewertet werden, sondern muss unbedingt die Chance auf einen wunderbaren Abgang sein. Man hat den Fokus der Gruppe, und man macht etwas daraus! Man muss als SL immer wieder betonen, wie wichtig es ist, sich nicht über sich selbst oder ein eingebildetes Versagen, das nur in unseren Köpfen durch entsprechende Konditionierung existiert, zu ärgern sondern das Ausscheiden aus dem Kreis als etwas Positives werten. Deswegen sollte man sehr streng und hin und wieder auch mal absichtlich „ungerecht“ sein. Mit mir als SL darf nicht diskutiert werden, man muss die Tatsachen annehmen und sie theatral nützen – es passiert ja auch nichts, außer, dass man den Kreis verlässt und sich das Spiel gemütlich von außen ansieht. Die Gruppe hat einen genauso lieb wie vorher! 
Das Spiel kann als Konsonantenübung auch mit Ka-Ke-Ki, Pa-Pe-Pi, usw. gespielt werden. Es ist eine gute Übung, um die Aufmerksamkeit innerhalb der Gruppe zu stärken und den TN beizubringen, rasche Entscheidungen zu treffen (kein langes suchendes Herumblicken bei Bewegung 3!) und andere TN deutlich zu fokussieren.
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